Gartenbohnen
Die Gartenbohne – klein, gehaltvoll und sehr vielseitig
Hinter dem Begriff „Gartenbohne“ (Phaseolus vulgaris) steckt eine Reihe verschiedener Hülsenfrüchte in (fast) allen Farben und Formen. Derzeit gibt es 57 registrierte eigene Arten von Buschbohnen sowie 39 Arten Stangenbohnen (oder auch grüne Bohnen). Gezüchtet wurden daraus bereits über 500 verschiedene Sorten, von denen allein auf dem deutschen Markt rund 100 für den privaten Anbau erhältlich sind. Sie zählt zur Familie der Schmetterlingsblütler und ist streng genommen eine Giftpflanze, weshalb man sie niemals roh verzehren darf. Erst durch Erhitzen über 90 Grad zerfallen die giftigen Proteinverbindungen in ungefährliche Eiweiße.
Ihr hoher Eiweißgehalt ist der Grund für die hohe Popularität der Gartenbohne. Seit vielen tausend Jahren bildet sie in verschiedensten Kulturen einen festen Bestandteil der Ernährung. Wobei mit „Bohne“ nicht nur der Samen innerhalb der länglichen Schoten gemeint ist, sondern die gesamte Frucht. Gartenbohnen enthalten annähernd so viel Eiweiß wie Fleisch. Die Bohnenhülsen sind reich an Aminosäuren und Mineralstoffen und werden deshalb gezielt als blutzuckersenkende und harntreibende Nahrungsergänzung eingesetzt. Ein kräftiger Tee aus Bohnenschalen zählt zu den ältesten Hausmitteln bei Blasen- und Nierenerkrankungen.
Ursprünglich war die Gartenbohne im Hochland Mittel- und Südamerikas beheimatet. Erst die spanischen Seefahrer brachten sie im 16. Jahrhundert nach Europa, wo sie sich aufgrund ihrer unkomplizierten Pflege und ihres schnellen Wachstums als Kulturpflanze etablierte, zunächst allerdings nur wegen ihrer duftenden Blüten in Gelb, Weiß und Lila. In Deutschland kennt man die Gartenbohne seit 1543. Die Kochtöpfe eroberte sie erst im Laufe des 17. Jahrhunderts, nachdem europäische Köche ihr anfänglich ebenso skeptisch gegenüberstanden wie schon Tomaten und Kartoffeln, die ebenfalls aus Übersee nach Europa kamen.
Aufgrund der zahlreichen verschiedenen Namens-Varianten könnte man glauben, es gäbe ebenso viele verschiedene Sorten, z.B. die Schnittbohne mit ihren großen flachen Schoten, die Prinzessbohne mit zarten, rundlichen Schoten ohne erkennbare Samen, die Speckbohne mit fingerdicken, oval geformten Samen, oder die bunt gemusterte Wachtelbohne, deren Samen gerne für Eintöpfe verwendet werden. Basis dieser Züchtungen ist aber stets die grüne Gartenbohne. Rote oder gemusterte Samen sind übrigens deutlich aromatischer als weiße, erstaunlicherweise stehen die weißen auf deutschen Speisezetteln ganz oben.
Anbau und Pflege der Gartenbohne
Die Gartenbohne ist eine Kletterpflanze, die keinen Frost verträgt und daher jedes Jahr neu angepflanzt werden muss. Ideal sind sonnige, windgeschützte flache Gartenlagen mit humusreichem Boden, der möglichst wenig gedüngt werden sollte. Die Gartenbohne ist genügsam, mag aber keinen Schatten oder zuviel Feuchtigkeit.
Man unterscheidet Stangen- und Buschbohnen. Die Buschbohne wird von Mai bis Ende Juni ausgesät. Hierzu lässt man die Samen einen Tag lang in warmem Wasser quellen, damit sie schneller keimen und steckt sie dann ca. 2 Zentimeter tief in die Erde. Sicherheitshalber sollte man damit bis nach den Eisheiligen Mitte Mai warten. Wer über mehrere Wochen hinweg ernten möchte, sät nicht alles auf einmal, sondern zeitversetzt alle 14 Tage. Nach 8 bis 10 Wochen kann bereits das erste Mal geerntet werden.
Die Stangenbohne kann in der selben Zeit ausgesät werden. Sie benötigt allerdings 12 Wochen bis zur ersten Fruchtreife, dafür ist die Ernte deutlich reichhaltiger als bei der Buschbohne. Um möglichst viele Blüten bilden zu können, sollte man der Pflanze „helfen“ und sie rund um eine geeignete Kletterhilfe aussäen, z.B. eine Stande, Metallspiralen oder auch an einem Holzgitter. Ob Holz oder Metall, die Kletterhilfen müssen vor dem Einsetzen in den Boden unbedingt mit verdünnter Essigessenz abgerieben werden, um versteckte Schimmelsporen abzutöten. Nach dem Keimen windet sich die Stangebohne im Uhrzeigersinn um Stangen oder Gitter und sollte alle 30 Zentimeter gut festgebunden werden. Je weniger Energie die Pflanze zum „Festhalten“ benötigt, umso reichhaltiger wird die Blüte und damit die Bohnenernte.
Die schönste Stangenbohne ist die sogenannte Feuerbohne (Phaseolus coccineus). Sie bildet leuchtend rote Blüten, die gerne von Schmetterlingen und seit einigen Jahren sogar Kolibris besucht werden. In vielen Gärten wird sie daher zur Zierde angebaut. Die Feuerbohne ist die einzige Gartenbohne, die man überwintern lassen kann. Hierzu gräbt man die Wurzeln nach dem Abblühen aus dem Boden, bewahrt sie in einem luftdurchlässigen Sack dunkel und frostfrei auf, zum Beispiel im Keller, und setzt den Ballen im nächsten Frühjahr wieder ein.








